Lange habe ich mit mir gekämpft. Habe versucht, Für und Wider im Sinne des anderen abzuwägen. Es ist so schrecklich, entscheiden zu müssen – die Macht zu haben über Leben und Tod eines anderen Wesens. Eines, das nicht reden kann, das mir lieb und ein Freund ist und mehr als dreizehn Jahre mit mir gelebt hat. Heute habe ich “nein” zu allen weiteren Klinikterminen und Behandlungen außer den palliativen gesagt. Ich hoffe so sehr, dass es richtig ist. Dass es ein guter letzter Weg wird, bei dem der kleine Tiger sich geborgen fühlen kann.
„Unser Entscheiden reicht weiter als unser Erkennen.“ (Kant)
Das tut mir sehr leid! Da ich vor ein paar Jahren vor der gleichen Entscheidung stand, fühle ich mit Dir!
Als mir der Arzt mitteilte, was notwendig wäre, empfahl er mir, eine zweite Meinung einzuholen. Ich sagte ihm, dass mich das nicht interessiere. Ich wolle nur wissen, was er tun würde, wenn es sein Tier wäre. Da schüttelte er zu den in Aussicht gestellten Operationen (vier, jeweils im Abstand eines Vierteljahres – beidseitiger Gesäugekrebs) langsam den Kopf. Das war die Antwort.
Danach hatte ich Angst, den „richtigen“ Zeitpunkt des Erlösens zu verpassen. Der Arzt meinte, wenn es so weit sei, würde ich es wissen. Eines Tages kam ich nach Hause, sah die Kleine und rief den Arzt damit er kommt. Sie ist ganz ruhig in meinen Armen eingeschlafen. Er untersuchte sie anschließend noch einmal und sagte mir, dass es „heute“ weder zu früh noch zu spät war.
So ein Abschied tut verflucht weh! Vielleicht ist es ein klitzekleiner Trost, dass bei Tieren die Möglichkeit besteht, sie erlösen zu dürfen, wenn sie nicht mehr können. In der sog. „Human“-Medizin gibt es diese Option (oftmals unmenschlicher Weise) nicht.
Ich drück‘ Dich in Gedanken. Ganz fest!