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Doch, er sieht einladend aus, der Landgasthof im Südschwarzwald. Blumig. Mit viel Liebe dekoriert: gelbe Rosen auf den Terrassentischchen. Rote auf dem Gasthausschild. Pinkfarbene auf den Tischdecken, Brotkörbchen und aushängender Speisekarte. Und eine Rose im Namen. Genau richtig für ein kleines Mittagessen. Denken wir. Gut gelaunt. Noch.

RosenstuebleEinen Platz finden wir, unter weißen Schirmen. Schön. Da kann man ja ruhig eine Viertel Stunde erst einmal die Rosen bewundern, bevor immer noch keine Bedienung kommt. Und man(n) dann hineingeht, um gleich darauf mit einer dauerlächelnden Blondine zurückzukehren, die versichert, es wäre doch gar nicht nötig gewesen, extra aufzustehen. Ihr Rock ist aus demselben Stoff wie die Tischdecken geschneidert. Nur kürzer.

Im selben Moment kippt der Sonnenschirm genau zum dritten Mal auf unseren Tisch. Macht ja nix. Steht ja nix Ess- oder Trinkbares drauf. Und den Plastik-Schirmständer via extra dazu vorgesehener Öffnung mit Wasser zu füllen, um dem Ganzen Standfestigkeit zu verleihen, wäre vermutlich nicht rosig genug gewesen. „Ach Gott“, grinst Fräulein Rosenrock und macht – richtig: nichts. Ich schließe den Schirm. Sie lacht: Ja aber es ist doch so sonnig heute. Ich lache nicht. Worauf Fräulein Rosenrock fragt, was es denn sein darf. Eine Karte wäre toll, meine ich und lächle gezwungen. Sie lächelt zurück. Und rührt sich nicht von der Stelle.

Okay. Vorher, beim Reinkommen, da habe ich auf der ausgehängten Karte was gelesen. Ich erinnere mich. Salat mit Spargel und Ei. Ja, einmal Salat mit Spargel und Ei. Und ein Rösti für den Herrn an meiner Seite. Und zwei kleine Apfelschorle. Sie grinst und der Rosenrock verschwindet schwungvoll samt Inhalt.

Etwa hundert Stunden später kehrt sie zurück. In der Hand ein Schälchen, das zwischen ihren Fingern kaum auszumachen ist. Zum Rösti gehört ein kleiner Salat. Lächeln. Und was wir zu trinken wollten. Zwei kleine Apfelschorle. Hatten wir bereits bestellt. Ach so? Sie lächelt. Kann man ja mal vergessen. Es sind immerhin vier Gäste da – mit uns.

Wir zählen die Salatblätter. Irgendwie muss man sich ja beschäftigen, bis Rosenrock den Rest auftischt. Sieben grüne, ein Ruccolablatt. Wie hat die das nur in diese winzige Schale gebracht?

Dann kommt das Essen. Geht’s so?, fragt sie und knallt mit hochgezogenen Mundwinkeln zwei Teller hin. Klar geht’s so. Ich will das Zeug ja nicht in ner Tüte nach Hause tragen. Die Dame am Nebentisch fragt: Was haben Sie denn für Getränke? Sie strahlt: Wir haben alle Getränke!

Das Essen ging dann ganz schnell. Vielleicht hätte ich doch nach einer Tüte fragen sollen. Nicht zum Mitnehmen. Sondern zum K… Nein, so geht’s nicht, Fräulein Rosenrock.

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