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Der Bundespräsident hat heute ein Interview gegeben. Im boersenblatt.net – dem Online-Magazin für den Deutschen Buchhandel.

Danach gefragt, wie denn bei aller „kostenlosen“ Verfügbarkeit von Informationen im Internet noch zu vermitteln sei, für Inhalte zu bezahlen, und wie wichtig es aus seiner Sicht ist, Autoren und Illustratoren für ihre Werke zu entlohnen, sagte er: 

Die Vorstellung vom armen Poeten gehört – dem Urheberrecht sei Dank – dem vorigen Jahrhundert an. Denn das Urheberrecht schützt nicht nur den kulturellen Wert schöpferischer Leistung, sondern auch ihren materiellen Wert. Auch im künstlerischen und im geistigen Bereich gilt, dass gute Arbeit ihren Lohn haben muss. Ich finde es nicht gut, dass viele inzwischen durch die Möglichkeiten des Internet einen Anspruch auf kostenlose Nutzung künstlerischer und geistiger Produktion zu haben glauben. Das ist eine Art geistiger Ausbeutung oder gar Enteignung. Letztlich wird die künstlerische und geistige Vielfalt Schaden nehmen, wenn die Schöpfer oder Erfinder der Inhalte davon selbst keinen angemessenen Nutzen haben.

Wo er Recht hat: Gute Arbeit muss Ihren Lohn haben. Wo er irrt: Arme Poeten gehören dem vorigen Jahrhundert an. Warum?

  1. Wer versucht, Lohn für unrechtmäßig kopierte Texte, Bilder und Grafiken einzuklagen, erhält in den seltensten Fällen Recht. Dazu muss nämlich die Schöpfungshöhe erreicht werden. Und die ist so hoch wie ein Gummi lang. Es liegt, mit andern Worten, im Ermessen des Richters. Und der hat (sorry) im Normalfall keine Ahnung, welche Arbeit hinter professionellen Texten steckt – die dem Leser doch so einfach, klar und unkompliziert scheinen. Doch genau darin liegt das Können der Profis: Themen so recherchieren und darstellen, dass sie sprachlich verständlich und ihre Inhalte logisch strukturiert sind. Texten lässt sich ein bisschen mit dem Klavierspielen vergleichen: Jeder kann Tasten drücken. Ein Chopin wird daraus noch lange nicht. Da muss geübt werden. Viele Jahre. Technisch, interpretatorisch. Ebenso kann jeder Wörter in den Rechner tippen … 
  2. Künstler verdienen sich kaum eine goldenen Nase. Wer es genauer wissen will, mag sich Einkommensstatistik der Künstlersozialkasse ansehen. Das Durchschnitts-Jahreseinkommen von Menschen aus schreibenden Berufen, bildenden Künstlern und Musikern liegt bei 14.789 Euro für Männer und 11.170 Euro für Frauen.

Fazit: Erkenntnis ist gut, Herr Köhler. Doch müssen Taten folgen 🙂 

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