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„Wenn ein Mensch mit seinen Gefährten nicht Schritt hält, so tut er es vielleicht deshalb nicht, weil er einen andern Trommler hört. Lasst in zu der Musik schreiten, die er vernimmt, aus welcher Ferne sie auch komme und in welchem Takt auch immer.“ (Henry David Thoreau)

Ein Gedanke, der mich durch die beiden letzten Tage getragen hat. Im Kreise von 18 Menschen. Ausbildung für ehrenamtliche Hospizhelferinnen und -helfer. Es war ein gutes Wochenende. Mit einem wichtigen Thema: der gute Umgang mit uns selbst in der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen. Menschen, deren Trommel langsamere Rhythmen anschlägt. Deren Lebensmelodie leise ausklingt.

Jetzt bin ich still. Meine  Trommel trägt ein Echo des intensiven Austausch zu mir. Wie immer nach den Seminar-Tagen im Hospiz. Tage ohne Kundentermine, ohne Einkaufstrubel. Ohne Telefonklingeln, E-Mail-Flut und TV-Dröhnung. Eine kleine Auszeit, die mich an die Worte Reinhold Schneiders erinnert: „Die Stille ernährt, der Lärm verbraucht.“

Morgen ist wieder Tagesroutine. Ist nach der Stille. Arbeit in der Welt der Sieger und Leistungsfähigen, der Welt der Dauer-Bespaßung, der Trommelwirbel und Paukenschläge. Dennoch: Auch da lassen sich Momente finden, auf die eigene Trommel zu hören. Sich bewusst zu machen, ob sie gerade stimmgewaltig ruft oder zaghaft aus der Ferne. Ob sie einen dynamischen Tag bereithält, monotonen Gleichklang vorgibt oder einen unregelmäßigen Takt anschlägt.

Der eigenen Trommel lauschen: Das ist ein Weg, Bedürfnisse, Launen und eigenes Handeln besser zu verstehen. Und zu sehen, warum manches gerade nicht so läuft, wie man es gern hätte. Oder warum vieles besser geht als erwartet.

Hinhören. Den Rhythmus ändern. Und sei es nur für ein paar kleine Schritte zwischendurch. Für eine Verschnaufpause in den Turbulenzen des Alltags. Das sind Augenblicke, die uns gut tun.

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