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Hinter der Westtribüne stirbt die Hoffnung keineswegs zuletzt: Seit 25 Jahren ohne Titelgewinn – Zeit genug für manch einen HSV-Fan, das Zeitliche noch vor der Zuversicht auf den großen Sieg zu segnen. Weitere Fans werden folgen. Sind diese Vereinsmitglied, so können sie nun ein europaweit einmaliges Angebot in Anspruch nehmen: die Reise ins Jenseits mit ihrem Fußballverein.  

Blauer Sarg oder Urne mit Vereinsraute, Kondolenzdecken im HSV-Design, Sarg-Träger im HSV-Dress, ein letztes stadionhymnisches „Hamburg meine Perle“ – und dann zur letzten Ruhe auf den Fan-Friedhof: Bereits 20 Anmeldungen liegen dem neuen Gottesacker mit unverbaubarem Blick auf die Westtribüne vor. 500 Plätze soll er bekommen. Wählen können die Noch-Lebenden zwischen der Themenbestattung „Schlusspfiff“ zum Preis eines klassischen Begräbnisses. Und einer 10%-Rabatt-Bestattung.

Wen dies skurril anmutet, der mag sich andere Traditionen ansehen: Haustier-Friedhöfe. Oder afrikanische Fußballfelder, unter denen – von abergläubischen Fans verbuddelt – Kühe und Füchse dem Trampeln der Mannschaften lauschen. In England gar bohren sich die Spikes in die Asche derer, die sich über dem Vereinsfeld haben verstreuen lassen. „Der Tod ist ein Geschäft“, kommentiert Steffen Dobbert in der ZEIT. „Ein trauriges, sicheres und manchmal auch ein interessantes. Aber braucht der Traditionsverein HSV so etwas?“

Man könnte ja mutmaßen: Auch ein toter Fan ist ein zahlender Fan. 25 Jahre Friedhofsgebühr statt Dauerkarte. Für das Geld bleibt dann nur zu hoffen, dass die Asche auch dort endet, wo sie soll, und der HSV-Fan sich nicht in einer Bayern-Urne hinter der Allianz Arena wälzen muss. 

Oder ist das jetzt zu sehr in Rauten gedacht?

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