Schlagwörter

, , , , , , , , ,

Ich bekomme sie ja nicht zum ersten Mal. Diese netten Anfragen, ob ich denn auch Diplom- und Doktorarbeiten schreiben würde. Gut bezahlt, versteht sich. Selbstverständlich nicht für den Anfragenden selbst, nein. Sondern für einen guten Freund – welcher ganz plötzlich schwer erkrankt ist, vor Liebeskummer den Verstand oder plötzlich die geliebte Großmutter verloren hat, und dessen akademischer Abschluss daher tragischerweise gefährdet ist.

Heute nun landete wieder ein hübsches Exemplar dieser Sorte in meinem elektronischen Briefkasten. „Hallo Frau Doktor B.“, stand da zu Beginn „Sie sind meine einzige Hoffnung.“ Soll ich mich geehrt fühlen? Wohl kaum. Besser amüsiert, nach dem, was an herzergreifendem Wer-Wie-Was-Warum-Sermon dann folgt. Und unterzeichnet ist mit einem apokryphen „deRG, ein Verzweifelter“.

Wer, was, wie und warum ist Student der Politikwissenschaften im 23. Semester, bedroht von der Zwangsexmatrikulation und – Sie erraten es sicher – über die Scheidung (an der selbstredend alleine seine Ex schuld ist) in ein abgrundtiefes mentales Loch gefallen. Natürlich macht er Therapie. Sogar mehrere. Psychoanalyse, Verhaltens-, systemische und existenzanalytische Therapie, sogar das Psychodrama hat er ausprobiert. Alles totaler Mist. Diese ganzen Psychos, die haben alle einen an der Waffel. Hm. Gab es da nicht mal so eine Redensart mit Selbsterkenntnis und so? Aber gut …

… deRG hat auch durchaus Erfreuliches zu berichten. Tatsächlich nämlich muss ich nicht bei Null anfangen mit dem Job. Es gibt „große Zettel“, auf denen er „ein paar Gedanken notiert“ hat. Ich bin beeindruckt. Ausgehend davon, so hofft deRG, kann ich in etwa zwei Wochen den Rest zum Thema in Bibliotheken oder im Internet recherchieren. Geht ja fix, ich habe da ja Übung. Dann darf ich vier Wochen schreiben. Ich bin schon wieder beeindruckt. Doch so lange. Ihr Turbo-Doktor in sechs Wochen? Mit oder ohne Summa cum laude? deRG hat übrigens an Ratenzahlung gedacht. Weil die Scheidung, „Sie wissen ja …“

Weiß ich? Was ich sicher nicht weiß: Ob ich jetzt laut lachen oder das Ding genervt auf das Mülleimer-Symbol ziehen soll. Und ob das Ganze ein Fake ist. Ein Test, ob ich bezahlten Betrug unterstütze. Aber ich bin ja kein Spielverderber. Also habe ich brav geantwortet:

 

Verehrter Herr deRG,

Doktorarbeiten von Dritten anfertigen zu lassen, ist strafbar. Bei Abgabe müssen Sie eine eidesstattliche Erklärung abgeben und bezeugen, die Arbeit alleine und ohne fremde Hilfe verfasst zu haben. Es drohen der Titelverlust und eine saftige Geldstrafe – Letzteres sollten Sie alleine schon wegen Ihrer Scheidungskosten nicht riskieren.

Abgesehen davon bin ich der Ansicht, dass jemand, der seine Dissertation nicht selbst verfassen kann, über seinen Titel in spe noch einmal nachdenken sollte. 

So Sie sich entschließen, die Arbeit selbst fertigzustellen, vermittle ich Ihnen gern eine erfahrene Kollegin für ein professionelles Korrektorat. Dieses beinhaltet dann die reine Prüfung der Rechtschreibung, Kommasetzung und Grammatik. Ganz legal und ohne die Notwendigkeit, anonyme Anfragen zu verschicken.

 Mit besten Grüßen

Advertisements