Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

„Sobald man davon spricht, was im nächsten Jahr geschehen wird, lacht der Teufel.”
Aus Japan

Alle Jahre wieder … kommt sie mit der Silvesternacht: die Stunde der guten Vorsätze. Weniger Arbeit, mehr Zeit für die Familie, Pfunde loswerden, aufhören zu rauchen …

Wohlbekanntes Wollen – wohlbekanntes Scheitern. Denn warum verdrehe nicht nur ich die Augen, wenn Schlag zwölf, zum Knallen der Schampuskorken und Raketen, das alljährliche „Ab morgen ändere ich mein Leben!“ in meinen Gehörgang säuselt?

Weshalb lacht der Teufel zu Schwüren und Versprechen? Oder ganz prosaisch gefragt: Warum feiern wir den nächsten Jahreswechsel nicht als durchtrainierte Nichtraucher, die Tag für Tag mit den Kindern Fußball spielen, Baumhäuser bauen, am Wochenende mit den Großeltern ins Grüne fahren, nur noch 30 Stunden arbeiten und mit dem Geld trotzdem zufrieden sind?

Ich gebe eine ketzerische Antwort: Wir wollen gar keinen neuen Weg einschlagen. Oder können es nicht – den manchmal hindern uns auch äußere Umstände. Nein, wir wollen gleich am Ziel sein. Mit einem Sprung. Schlank – und damit begehrenswert sein. Uns die Dürfte der Welt nicht mehr durch nikotinbetäubte Nasen selbst vorenthalten. Uns in einem Job verwirklichen, der den Lebensstandard erhält – und gleichzeitig die Arbeitszeit reduziert.

Solche Ziele erreichen erfordert Durchhaltevermögen. Bringt Einbußen. Bedeutet das Verlassen ausgetretener Pfade. Ein Urlaub weniger. Bewerbungen schreiben. Gemüse statt Schokolade. Bewegung statt genüsslicher Zigarette zum Rotwein. Kennen Sie jemanden, der das geschafft hat? Pünktlich zu Neujahr? Ich nicht. Aber ich kenne genügen Zeitgenossen, die im Frühjahr grinsen, wenn der Kollege mit einem verschämten Seitenblick in den Tabakladen schleicht, die Schwiegermutter noch immer bei Mode für starke Frauen einkauft und die Nachbarin mit den Kindern mal wieder alleine zur Oma fährt. „War ja klar, dass der das nicht schafft. Der war ja schon immer ein Schwätzer.“

Aber keine Bange: Wer die, die scheitern, als Schwätzer bezeichnet, ist selber einer. Und er möge versuchen, sein Leben von heute auf morgen zu ändern. Es ist leicht – und für viele ein wichtiges Ritual – Jahr für Jahr neue Vorsätze zu formulieren. Doch wir sollte es mit Humor tun: Denn was wir mit einem Schnitt und viel Verstand erzwingen wollen, wird sowieso nichts.

Getrost können wir also Silvesterversprechen vergessen und uns frei machen vom „vorsätzlich schweren Leben“. Und das ist auch gut so. Hier nämlich liegen die Stärke und Chance: Jetzt können wir uns dem zuwenden, was uns mit echter Leidenschaft erfüllt. Dem, was uns glücklich macht. Den Wünschen, die ganz tief in uns sind. Dafür überwinden wir Hürden, verlassen eingetretene Pfade. Aber dazu braucht es kein Silvester, keine Schwüre. Das gelingt jeden Tag.

Heute, später, nehme ich mir ein paar Stunden und schreibe auf, was mich bewegt hat, was euphorisiert, enttäuscht oder überraschenderweise so gar nicht mehr berührt. Das ist mein Ritual, eine Art Inventur. Gute Vorsätze? Für mich sind sie nichts. Außerdem: Das wäre ja rücksichtslose Planung. Und dafür gäbe es erheblich mehr Jahre Knast als (Lebens)Taten im Affekt.

In diesem Sinne:
Kommt alle gut in ein glückliches und gesundes neues Jahr, verwirklicht so manch heimlichen und unheimlichen Plan, glaubt daran, dass 2010 Euer Jahr wird (aber sprecht ja nicht darüber) – und lebt lieber wild und gefährlich als bieder und lasterlos!

Und last but not least – Ms. Sophie muss einfach sein:

Advertisements